Goodyear-Konzern verkauft Werkswohnungen an Immobiliengesellschaft

FULDA 128 Wohnungen, die bis Dienstag von der GWF Wohnungsgesellschaft mbH Fulda verwaltet wurden, sind vom Goodyear Dunlop Konzern, dem Mutterunternehmen der Fulda Reifen, an die Immobiliengesellschaft Goal Service GmbH verkauft worden.

 

Das Unternehmen hat seinen Sitz sowohl in Berlin als auch auf der als Steuerparadies bekannten Isle of Man in der Irischen See. Die Wohnungen in der Michael-Henkel-Straße 11 und der Karl-Philipp-Arnd-Straße 2 bis 32 waren in den 1950er Jahren als Werkswohnungen für die Mitarbeiter der Gummiwerke gebaut worden. Sie werden auch heute noch zu 30 Prozent von Mitarbeitern und Rentnern, die für Fulda Reifen tätig waren, bewohnt.
„Ich persönlich war und bin dagegen, die Wohnungen zu veräußern“, erklärt Jürgen Herrmann, Geschäftsführer der GWF, „aber der Goodyear- Dunlop-Konzern hat das über unsere Köpfe hinweg entschieden.“
Die Pressesprecherin des Reifenhersteller in Hanau, Gabriele Velte, gab als Grund für die Veräußerung der Immobilien, eine „Fokussierung der Aktivitäten auf das Kerngeschäft“ an. „Wir sind ein Reifenhersteller; die Verwaltung von Immobilien passt nicht in unser Portfolio“, sagt Velte. Die Verkaufssumme des Immobilienpakets wollte sie nicht nennen.
Mieter wissen von nichts
„Mich regt auf, dass wir nichts davon mitbekommen haben und eigentlich immer noch nichts Konkretes wissen“, beschwert sich eine GWF-Mieterin, die seit 30 Jahren in einer Wohnung in der Karl-Philipp-Arnd-Straße lebt, aber nicht namentlich genannt werden möchte. „Es gab keine Notiz, keinen Brief – wir werden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, empört sie sich. Dass durch den Verkauf Veränderungen auftreten werden, befürchtet sie . Ihre Sorge ist aber nicht primär eine Mieterhöhung, sondern vielmehr, dass nun ein Ansprechpartner vor Ort fehle.
Florian Lanz, Geschäftsführer der Goal Service GmbH, versucht solche Bedenken zu zerstreuen. Der Immobiliengesellschaft gehe es darum zufriedene Mieter zu haben: „Wir ziehen die Mieten jetzt doch nicht schlagartig an.“ Als Grund dafür, dass die Mieter noch nicht Bescheid wüssten, führt er rechtliche Gründe an: Man dürfe die Mieter erst nach dem offiziellen Eigentümerwechsel informieren.
Eine weitere Immobilie, die von Veränderungen betroffen sein wird, ist der Wohnblock Am Kleegarten 94 bis 100. Die GWF geht davon aus, dass das Haus einem Neubau Platz machen wird, da es teilweise schon entmietet ist. Die Fulda Reifen GmbH habe Eigenbedarf, bestätigt auch Gabriele Velte.
Jürgen Herrmann hofft indes, dass die nun ehemaligen Mieter der GWF von drastischen Mieterhöhungen verschont bleiben: „Mittelfristig hat uns die neue Immobiliengesellschaft das zugesichert.“ Darunter sei ein Zeitraum von vielleicht fünf Jahren zu verstehen. „Eine notarielle Beglaubigung dafür wird man aber sicher nicht von der neuen Gesellschaft bekommen“, sagt Herrmann.

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