Mit Sommerreifen weniger Abrieb

reifenabrieb Wer aus Kostengründen auf die Umrüstung verzichtet, zahlt drauf. Denn Winterreifen haben im Sommer einen bis zu 20 Prozent höheren Verschleiß.

Der Kopf sagt ja, der Geldbeutel nein: Nicht selten erkennen Autofahrer die Argumente, die auf den Sicherheitsgewinn durch Sommerreifen in der warmen Jahreszeit abzielen, als berechtigt an, verzichten aber aus finanziellen Erwägungen auf die Umrüstung. Doch die vermeintliche Ersparnis entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Milchmädchenrechnung.

"Denn der Verzicht auf die Umrüstung kostet mehr als ein weiterer Satz Reifen", erklärt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV e.V.), Bonn. "Dies belegen im Wesentlichen zwei Faktoren: Erstens werden Winterreifen, die den Sommer über eingelagert sind, nicht verbraucht. Entsprechend müssen sie erst viel später durch neue ersetzt werden. Und zweitens reiben Winterreifen im Sommer viel stärker ab als in der kalten Jahreszeit — und dies gilt auch für den Vergleich mit Sommerreifen." Die Folge: Ein erheblicher Teil der Laufleistung geht verloren.

Moderne Reifenmischungen weisen nämlich ein Abrieboptimum auf, das an die jeweils vorherrschenden Betriebsbedingungen angepasst ist. Kurz: die Umgebungstemperatur entscheidet. Steigt sie, steigt auch der Abrieb bei Winterreifen — und zwar bis zu zwanzig Prozent. Wer mit den Kältespezialisten im Sommer 10.000 Kilometer zurücklegt, hätte damit bei sachgemäßer Verwendung also bis zu 2.000 Kilometer mehr geschafft — das gilt im Übrigen auch umgekehrt für den Einsatz von Sommerreifen im Winter.

"Dieses Phänomen erklärt sich wie folgt: Abrieb wird durch die Kräfte verursacht, die zwischen der nur Handteller großen Bodenaufstandsfläche des Reifens und der Fahrbahnoberfläche wirken und dabei chemische Verbindungen im Reifen lösen", skizziert Prof. Heinrich Huinink, Gastdozent an technischen Universitäten zum Thema Pkw-Reifenentwicklung, den technischen Hintergrund. "In der weichen Gummimischung der Winterpneus können die Moleküle bei warmen Umgebungstemperaturen durch die hohe mechanische Beanspruchung reißen. Je abrupter die Fahrweise, desto eher kommt es außerdem in Folge von Wechselbiege-Beanspruchungen zur Materialermüdung."

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